Rund 1.320 Euro netto am Tag kostete ein Interim Manager laut DDIM-Blitzumfrage im August 2026, die geplante Laufzeit lag im Schnitt bei 10,3 Monaten. Interim Manager sind meist erfahrene Führungskräfte, die sich selbstständig gemacht haben und Mandate auf Zeit übernehmen.
Gerufen werden sie, wenn eine Position plötzlich frei wird, wenn einem Projekt intern die Führung fehlt oder wenn eine Krise schnelle Entscheidungen verlangt. Ist das Mandat erfüllt, gehen sie wieder.
Über diesen Markt weiß man vergleichsweise viel, weil zwei Verbände jedes Jahr Studien vorlegen. Die Dachgesellschaft Deutsches Interim Management (DDIM) schätzt das Marktvolumen für 2026 auf rund 2,7 Milliarden Euro und rechnet mit etwa 12.500 Interim Managern. Die Association of Interim Management Professionals (AIMP) beziffert den gesamten DACH-Raum in ihrer Studie 2026 auf 3,75 Milliarden Euro.
| Marktvolumen Deutschland 2026 (DDIM) | rund 2,7 Mrd. € |
|---|---|
| Interim Manager (DDIM) | etwa 12.500 |
| Marktvolumen DACH (AIMP) | 3,75 Mrd. € |
Quelle: DDIM Marktstudie 2026, AIMP-Studie 2026
Wann Unternehmen Interim Manager einsetzen: Anlässe und Ebenen
Interim Manager werden vor allem für Veränderung, Krisen und Vakanzen geholt. Im DDIM-Report 2025, einer Befragung von 1.671 Interim Managern, nannten 31,2 Prozent Change Management als Einsatzanlass, 13,8 Prozent Krisenmanagement und 13,5 Prozent fehlende Führungskapazität. Die AIMP-Studie 2025 zeigt aus Sicht der Provider ein ähnliches Bild mit Vakanzen, Change, Geschäftsaufbau und Restrukturierung als Hauptkategorien.
| Change Management | 31,2 % |
|---|---|
| Krisenmanagement | 13,8 % |
| fehlende Führungskapazität | 13,5 % |
Quelle: DDIM Interim Management Report 2025
Ein paar typische Situationen:
- Die kaufmännische Leitung fällt aus, die Nachfolge ist noch nicht gefunden.
- Ein Werk soll verlagert, geschlossen oder neu aufgestellt werden.
- Eine ERP-Einführung oder Carve-out braucht eine Person mit Linienverantwortung.
- Ein Eigentümerwechsel oder eine Nachfolge im Familienunternehmen muss überbrückt werden.
- Ein Sanierungsfall verlangt einen Chief Restructuring Officer.
Laut AIMP-Studie 2025 entfallen 29 Prozent der Mandate auf die erste und 35 Prozent auf die zweite Führungsebene. 74 Prozent finden in Unternehmen mit 250 bis 10.000 Beschäftigten statt. Interim Management ist also vor allem ein Thema für den Mittelstand.
Was ein Interim Manager kostet: Tagessatz und Laufzeit
Abgerechnet wird ein Tagessatz, der durchschnittlich bei rund 1.300 Euro netto liegt. Die DDIM hatte für 2026 einen Durchschnitt von 1.317 Euro prognostiziert, ihre Blitzumfrage im August 2026 ergab 1.320 Euro. Die AIMP nennt für Deutschland 1.338 Euro (Daten 2024, Kunden-Tagessatz inklusive Provider-Marge, ohne Reisekosten).
| Kennzahl | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Ø Tagessatz 2026 | 1.320 € | DDIM-Blitzumfrage 08/2026 |
| Ø Tagessatz Deutschland 2024 | 1.338 € | AIMP 2025 |
| Provider-Anteil am Tagessatz | in der Regel 25 bis 35 % | DDIM |
| Geplante Laufzeit | Ø 10,3 Monate, Median 9 Monate | DDIM-Blitzumfrage 08/2026 |
| Mandate bis 6 Monate | rund 40,5 % | DDIM-Blitzumfrage 08/2026 |
Bei 18 Einsatztagen pro Monat und 1.320 Euro Tagessatz entstehen rund 23.800 Euro netto im Monat, zuzüglich Reisekosten. Details nach Funktion, Provider-Marge und eine vollständige Beispielrechnung stehen auf der Seite Interim Management Kosten.
Wer als Interim Manager arbeitet: Erfahrung, Alter, Auslastung
Meist sind es langjährige Führungskräfte, die Interim bewusst als Beruf gewählt haben. In der AIMP-Studie 2025 mit 550 befragten Interim Managern waren 51 Prozent seit zehn Jahren oder länger selbstständig, weitere 19 Prozent seit sechs bis neun Jahren. Die meisten sind zwischen 50 und 69 Jahre alt, nur 15 Prozent sind Frauen.
Für Sie als Auftraggeber hat das zwei Folgen. Erstens bringen Interim Manager in der Regel mehrere vergleichbare Mandate mit, die Sie in Referenzgesprächen prüfen können. Zweitens sind sie keine Bewerber auf eine Festanstellung. Wenn Sie eine Dauerlösung suchen, sagen Sie das offen und setzen Sie die Suche getrennt auf. Laut AIMP wechseln nur etwa 5 Prozent in eine Festanstellung.
Die Auslastung schwankt stark. Laut AIMP fakturierten Interim Manager 2024 im Schnitt 134 Tage, 28 Prozent kamen auf mehr als 200 Tage. In der DDIM-Blitzumfrage vom August 2026 waren 68,7 Prozent der Befragten in einem Mandat. Wer gut ist, hat oft gerade ein Mandat. Bei Spezialthemen kann die Suche deshalb dauern.
Wie ein Interim-Mandat abläuft: vier Phasen
Die vier Phasen heißen Auftragsklärung, Auswahl, Einsatz und Übergabe.
| 1. Auftragsklärung | Ziel, Befugnisse, Laufzeit, Erfolgskriterien |
|---|---|
| 2. Auswahl | über Provider oder eigenes Netzwerk |
| 3. Einsatz | mit regelmäßigen Statusterminen |
| 4. Übergabe | an feste Besetzung oder Linie |
- Zuerst legen Sie Ziel, Befugnisse, Laufzeit und Erfolgskriterien fest. Je klarer das Mandat, desto leichter lässt sich später prüfen, ob es erfüllt ist.
- Dann stellt ein Provider meist innerhalb kurzer Zeit einige Kandidaten vor. Alternativ sprechen Sie Personen aus Ihrem Netzwerk direkt an.
- Im Einsatz übernimmt der Interim Manager die Aufgabe. Regelmäßige Statustermine mit dem Auftraggeber gehören dazu.
- Am Ende übergibt er an eine feste Besetzung oder an die Linie. Planen Sie diese Phase von Anfang an ein, am besten schon im Vertrag.
Wie Sie Kandidaten prüfen und den Start organisieren, beschreibt der Ratgeber Interim Manager auswählen und onboarden.
Provider oder Direktbeauftragung: Kosten und Aufwand im Vergleich
Beide Wege sind verbreitet, die Zahlen gehen aber auseinander. Nach dem DDIM-Report 2025 werden rund 60 Prozent der Mandate direkt akquiriert. In der AIMP-Studie 2025 gaben 54 Prozent der befragten Kunden an, ihren Interim Manager über einen Provider bekommen zu haben.
Ein Provider ist ein spezialisierter Vermittler mit eigenem Pool geprüfter Interim Manager. Er übernimmt Vorauswahl, Referenzprüfung und meist den Vertragsrahmen. Dafür erhält er laut DDIM in der Regel 25 bis 35 Prozent des vereinbarten Tagessatzes. Beauftragen Sie direkt, sparen Sie die Marge. Suche, Prüfung und Vertrag liegen dann bei Ihnen.
| Kriterium | über Provider | direkt |
|---|---|---|
| Zeit bis zur Vorstellung | meist kurz, Provider haben Pools | abhängig vom eigenen Netzwerk |
| Kosten | Tagessatz inkl. Provider-Marge | nur Tagessatz des Managers |
| Vorauswahl, Referenzen | durch Provider | eigene Arbeit |
| Ersatz bei Ausfall | im Providervertrag regelbar | selbst organisieren |
| Vertragsbeziehung | Dreieck Kunde, Provider, Manager | direkt mit dem Manager |
Rechtliche Risiken: Scheinselbstständigkeit und verdeckte Überlassung
Das größte Risiko heißt Scheinselbstständigkeit. Ein Interim Manager ist oft eng in die Organisation eingebunden, führt Mitarbeitende und arbeitet mit dem Laptop des Unternehmens. Genau solche Merkmale kann die Deutsche Rentenversicherung als Beschäftigung werten. Für Geschäftsführer ohne Kapitalbeteiligung hat das Bundessozialgericht 2018 entschieden, dass sie ausnahmslos abhängig beschäftigt sind (B 12 KR 13/17 R).
Bei Mandaten über einen Provider kommt die Frage hinzu, ob in Wahrheit eine Arbeitnehmerüberlassung vorliegt. Wie Sie beides prüfen und absichern, erklärt der Leitfaden Interim Management und Scheinselbstständigkeit.
Zum Merken
Formulieren Sie Ziel, Befugnisse, Laufzeit und Erfolgskriterien des Mandats auf einer Seite und planen Sie die Übergabe von Anfang an ein.
Nächste Schritte
- Formulieren Sie Ziel, Laufzeit und Befugnisse des Mandats auf einer Seite.
- Klären Sie früh, ob die Rolle eine Organstellung wie die Geschäftsführung oder eine Prokura umfasst, weil das die Vertragsform bestimmt.
- Wenn die Position dauerhaft besetzt werden soll, starten Sie die Nachfolgesuche parallel, zum Beispiel über eine Executive-Search-Beratung.
- Über Anbieter finden können Sie Ihren Bedarf schildern und passende Provider vorschlagen lassen.
Anbieter im Überblick: Interim Management
Unabhängige Analysen mit Bewertungen von Drittportalen, alphabetisch sortiert.
Best Practices: Interim Management
Recht: was sich für Interim Management ändert
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Interim Manager und Unternehmensberater?
Ein Interim Manager übernimmt eine Linien- oder Projektverantwortung im Unternehmen und setzt selbst um. Eine Beratung analysiert und empfiehlt, die Umsetzung bleibt meist beim Kunden.
Wie schnell kann ein Interim Manager starten?
Häufig innerhalb weniger Wochen, weil Interim Manager selbstständig sind und keine Kündigungsfrist haben. Wie schnell es konkret geht, hängt davon ab, ob passende Personen gerade ohne Mandat sind.
Brauche ich einen Provider oder kann ich direkt beauftragen?
Beides ist üblich. Nach dem DDIM-Report 2025 werden rund 60 Prozent der Mandate direkt akquiriert; Provider übernehmen Vorauswahl und Vertragsrahmen gegen eine Marge.
Kann ein Interim Manager Geschäftsführer werden?
Ja, auch als eingetragene Geschäftsführung. Sozialversicherungsrechtlich gelten Geschäftsführer ohne Kapitalbeteiligung nach der Rechtsprechung des BSG aber als abhängig beschäftigt, das muss vertraglich bedacht werden.
Bleiben Interim Manager danach fest im Unternehmen?
Selten. Die AIMP-Marktstudie 2025 beziffert die Übernahmequote in eine Festanstellung seit rund zehn Jahren konstant auf etwa 5 Prozent.
Quellen
- DDIM: Marktstudie 2026, Interim Management behauptet sich (20.02.2026)
- DDIM: Blitzumfrage August 2026 (23.09.2026)
- DDIM: Interim Management Report 2025
- DDIM: Honorare im Interim Management
- AIMP-Marktstudie DACH 2024/25 (PDF)
- Interim Sherpas: AIMP-Marktstudie DACH 2026
- BSG, Urteil vom 14.03.2018, B 12 KR 13/17 R
So zitieren Sie diesen Beitrag
Max Braunleder (2026): Interim Management: Führung auf Zeit, Kosten und Ablauf. peoplepleaser, Stand 05. Oktober 2026. https://peoplepleaser.io/interim-management/